Bundespolizeiseelsorge evangelisch

Suche Frieden und jage ihm nach

Am 10.Oktober 1981 war ich in Bonn. Ich war einer von ungefähr 300.000 Menschen, die im Hofgarten für den Frieden demonstrierten. Inspiriert von Diskussionen auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag Hamburg im Juni 1981 waren wir der festen Überzeugung, dass nur die Abschaffung von Waffen  den Frieden zwischen Ost und West würde ermöglichen kann. Frieden schaffen ohne Waffen - so der Ruf, der aus Bonn eine ganze Generation prägte. So auch mich.
41 Jahre später denken wir darüber nach, welche Waffen wir als unseren Beitrag der Ukraine als Unterstützung gegen die russischen Invasoren geben können. Wohlgemerkt: wir debattieren nicht mehr über das "ob", sondern wir reden über "wieviel und was"!
In manchen Augenbblicken trete ich innerlich einen Schritt aus der Debatte heraus und suche einen anderen Blickwinkel - auf mich, auf mein Denken, auf mein Handeln. 
Ja, ich sehe die Notwendigkeit, die Menschen in der Ukraine in ihrem Kampf zu unterstützen - auch mit militärischem Gerät. 
Und frage ich mich gleichzeitig: ist das der Verrat an meinen Idealen, die immerhin schon 1981 ihren Ausdruck fanden?
In diesen Tagen lerne ich:
Frieden gibt es nicht zum Nulltarif. Um Frieden muss gekämpft werden. Denn Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist ein Status, in dem die originären Menschenrechte uneingeschränkt und unbedroht Geltung und Realität haben. 

Das Wort aus dem 34.Psalm sagt das deutlich:
Suche Frieden und jage ihm nach!

Bundespolizeioberpfarrer/ gf. Dekan Thomas Gregorius, Potsdam 

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