Bundespolizeiseelsorge evangelisch

Glauben ...

Vielleicht ist das ganz normal: Wenn manche Menschen erfahren, dass ich Pfarrer bin, möchten sie mir unbedingt erzählen, wie anders sie die Sache mit dem Glauben sehen. Da kam jemand auf mich zu, um mir mitzuteilen, er glaube nicht an einen Gott und sei Atheist. Er hatte schon mehr als ein Bier getrunken und offenbar Gefallen an seinem Reden: Dass die Religion nur dazu diene, Menschen zu verleiten, sich mit ungerechten Verhältnissen abzufinden. Außerdem sei der Glaube ein dubioses Mittel, nicht erwachsen und damit selbstständig und mündig werden zu müssen. Und als ob das nicht schon reichte, kam die Rede auf die Kreuzzüge, die Hexenverbrennungen und die großen moralischen Verfehlungen von Kirchenmännern. Kurz: Gott könne es nach vernünftigen Maßstäben nicht geben.

Ich kenne alle diese Argumente. Ihre Reihe könnte ich sogar noch um einige gute „Beweisgründe“ ergänzen. Antworten habe ich nicht auf alle diese Gedanken gegen den Glauben an Gott. Einige machen mir schaffen, andere finde ich langweilig. Was mir jedoch bei der Frage nach Gott viel mehr zu schaffen macht, sind die Schicksale von Menschen, die mir nahestehen oder nahestanden und denen das Leben übel, qualvoll und ungerecht mitspielte. Glauben zu müssen, sie seien einfach nur Opfer des Schicksals, die Pech hatten, finde ich schwer. Jedenfalls nicht leichter als an Gott zu glauben, aus dessen Hand sie nicht fallen werden. Dieses ziehe ich dem Glauben der Atheisten allemal vor.

(Dr. Helmut Blanke, evang. Dekan der Bundespolizei)

© Copyright 2020 Evangelische Seelsorge in der Bundespolizei