Bundespolizeiseelsorge evangelisch

Stehst du gut?

Einsatz in Hamburg. Die Stadt ist voll. Kundgebungen, Polizei, vielleicht auch Gewaltbereite, die die Demonstrationsfreiheit für ihre Zwecke verbiegen wollen und sich für Randale rüsten.  Hoffentlich bleibt es gewaltfrei, wenn es Ende April wieder losgeht. Aber die Erfahrungen der letzten Einsätze haben mich gelehrt, vorsichtig zu sein. Besonders, wenn es turbulent wurde, kam es darauf an, an der richtigen Stelle zu stehen. Abgehängt, schutzlos und alleine? Lieber nicht. Es war besser, wenn jemand da war, der mir einen sicheren Platz zuwies. So konnte in brenzligen Situationen jemand neben mir sein, der mich und mein Wohl im Blick hatte.

Aber es ist auch an anderer Stelle im Leben wichtig, genau zu wissen, wo man steht. Diese Tage stand ich am offenen Grab eines Polizisten - und einen Tag später am Grab meiner kleinen Nichte. -Beide Male gab es da nicht auf alles eine tröstliche Antwort.

Aber ich möchte gar nicht wissen, wo und wie ich und die anderen da hätten stehen können, ohne einander zu stützen und ohne den christlichen Glauben. Denn am Grab zu stehen und zu glauben bedeutet, Gott neben sich zu wissen. Einen Gott, der nahe ist, der mitleidet und mitträgt. Am Grab zu stehen und zu glauben bedeutet aber auch, in der Gewissheit weiterleben zu dürfen, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben.

Für beide Hoffnungen steht Jesus Christus, der Gekreuzigte und der am Ostermorgen Auferstandene. Und an seiner Seite steht es sich gut.

(Derik Mennrich, Bundespolizei-Oberpfarrer in Hannover)