Bundespolizeiseelsorge evangelisch

Schmiere stehen ...

„Und du stehst Schmiere!“ Diesen Auftrag kennt mancher. Jedenfalls wenn er oder sie im Alter von zehn Jahren einmal Mitglied einer „Bande“ war.

Ob es so etwas heute noch gibt? Die Abenteuer unserer Zeit werden vermutlich kaum noch mit der Hand gemacht. Sie spielen sich auf Bildschirmen und Konsolen ab. Immerhin kann man seinem Kind Erich Kästners unsterbliches Buch „Emil und die Detektive“ schenken ...

Aber warum eigentlich „Schmiere stehen“?

Der Ausdruck kommt aus dem Hebräischen. Über das Jiddische, die Sprache der osteuropäischen Juden, ist er ins Deutsche eingewandert. "Schmiere" kommt von "schamār" und das heißt: wachen, behüten, bewahren. Wer "Schmiere" steht, der hält Wache, passt auf und sagt Bescheid, wenn Gefahr droht.

Und Gott? Er steht auch "Schmiere" – für uns. Dreimal kommt das Wort "schamār" im 121. Psalm vor. Zur Jahreswende haben wir ihn in den evangelischen Kirchen gebetet: "Der dich behütet, schläft nicht." So sehr ein Polizist einen guten Streifenpartner braucht, so sehr braucht er auch den, der "Schmiere" steht über unserem Leben – im Dienst ebenso wie Zuhause. Polizisten wissen, wie dünn das Eis sein kann, über das wir Tag für Tag gehen.

Gut, wenn wir dem vertrauen können, von dem es heißt: "Der dich behütet, schläft nicht"!

Es gibt viel zu kontrollieren – bei anderen und bei sich selbst (Eigensicherung!). Aber ohne Vertrauen fehlt uns etwas.

Ich wünsche Ihnen und Euch von Herzen, dass Euch das Zutrauen trägt zu dem, der mit seinen guten Mächten für uns "Schmiere" steht - an 365 Tagen im Jahr.

(Christian Kiesbye, Bundespolizei-Oberpfarrer in Lübeck)