Bundespolizeiseelsorge evangelisch

Gastfreundschaft

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ Eine der wenigen humorvollen Bibelstellen, dieser Vers, so finde ich. Geschrieben mit einem verschmitzten Augenzwinkern: Passt auf, euer Gast könnte ein Engel sein.

Gastfreundschaft, Willkommenskultur stehen nicht mehr so hoch im Kurs wie früher. Jemanden „einfach so“, ohne Anmeldung zu besuchen und vor seiner Tür zu stehen, ist kaum noch gängig.

Und doch: Gastfreundschaft ist in den meisten Fällen eine Tugend, die sich bezahlt macht. Vertraute oder auch fremde Menschen, die uns besuchen wollen, sind eine Bereicherung für uns. Sie weiten unseren Blick, lassen uns hinausschauen über unseren begrenzten Horizont, lassen uns teilhaben an anderen Gedanken und Schicksalen.

Solche Teilhabe ist nicht nur eine Bereicherung, sondern einfach auch lebensnotwendig, der Art des menschlichen Lebens entsprechend.  Wir sind keine „Insel“, keine Einzelgänger und „einsame Wölfe“.  Wir sind als Menschen angelegt auf Gemeinschaft und wir brauchen Gemeinschaft.

Gemeinschaft ist heutzutage mehr als nur unser engstes Lebensumfeld von Familie und Freunden, Berufs- und Vereinskollegen. Dass unser Blick auf die Welt weiter und größer geworden ist, das festzustellen ist mittlerweile eine Banalität.

Es ist gut, diese Entwicklung positiv wahr zu nehmen. Dann können wir auch der alten Tugend der Gastfreundschaft (wieder) etwas Gutes abgewinnen. Gewiss – es sind nicht immer nur „Engel“, die zu uns kommen. Aber Menschen wie „du und ich“, von Gott geschaffen und vielleicht - wie Engel -  von Gott zu uns gesandt.

(Arnulf Linden, Bundespolizei-Pfarrer im Nebenamt in Swisttal)