Bundespolizeiseelsorge evangelisch

Angedacht September 2017

Stillgestanden

„Zwei Stunden für vier Kilometer!“ klagt eine Polizistin, als ich frage, wie ihr Wochenende war. Nach dem mehrtägigen Kontrolleinsatz an der Schweizer Grenze hatte sie sich auf die freien Tage bei ihrer Familie gefreut. Direkt nach Dienstschluss hat sie sich ins Auto gesetzt und losgefahren, gut 500km zur Familie im Norden. Aber schon nach wenigen Kilometern war Schluss, Stau auf der A6! Irgendwo vor ihr war wohl ein Unfall in einer Baustelle, die ganze Autobahn dich - Stillstand.

„Zwei Stunden für vier Kilometer!“ Nichts geht mehr. Die Freude auf die Freizeit und die Familie, die ganze schöne Tagesplanung hinfällig. Alles was man tun kann ist – Stillstehen und Warten.

Ärgerlich, da kann ich die Kollegin gut verstehen. Wir sind gewöhnt, dass alles in Bewegung ist. Stillstand können wir uns nicht leisten! Zeit ist Geld. Außerdem will ich selbst entscheiden können, was ich tue und wann, wenigstens in meiner Freizeit.

Nichts geht mehr – Im Stau merke ich, dass ich eben nicht alles in der Hand habe, nicht alles planen kann. Man merkt, manchmal ärgerlich oder schmerzhaft, dass es da noch ein bisschen mehr gibt auf dieser Welt, als nur mich und meine Termine.

Stillstand, genau dieser Moment, wo Stille einkehrt, kann nach der Bibel aber manchmal auch sehr heilsam sein. Weil man gezwungenermaßen zur Ruhe kommt, vielleicht endlich nachdenken kann über das eigene Leben und die Welt. Manchmal brauchen wir solche Auszeiten, und manche finden genau da sogar Gott. „Meine Seele ist still, vor Gott der mir hilft!“ So beschreibt es ein Psalm in der Bibel.

Durchschnaufen, zur Ruhe kommen und etwas neues in der Situation entdecken - von so einer heilsamen Begegnung im Kleinen erzählt dann auch die junge Kollegin und muss dabei schmunzeln. „Nach dem ersten Frust, hab ich einfach durchgeatmet und das Radio angemacht, und – da hab ich endlich gehört, wie das Lied heißt, dass ich schon seit Wochen immer mitsumme!“

Wofür so ein Stau doch gut sein kann.

 

Pfr. Henning Lang, Pfarrer im Nebenamt bei der BPOLABT Bad Bergzabern